Das Netz ist eine kreative Fundgrube. Und ist so leicht, dort Fotos zu posten, Grafiken zu kopieren, Texte zu veröffentlichen, Filme zu downloaden und noch vieles mehr! Wusstest du, dass all diese Dinge mit dem Urheberrecht zu tun haben? Nein? Das interessiert dich auch gar nicht? Sollte es aber! Weil das Urheberrecht nicht nur Stars und Wissenschaftler schützt, sondern auch dich! Es regelt, wer über Videos, Bilder, Texte, Software und all die anderen Dinge verfügen und wer sie benutzen darf.

Dir wurde bei einem Aufsatz vorgeworfen, dass du abgeschrieben hast? Du weißt nicht, ob du einen Musiktitel herunterladen darfst oder nicht? Auf den folgenden Seiten erklären wir dir alles rund um das Urheberrecht. Du ­erfährst, was das Urheberrecht ist und was man im Internet dazu beachten muss.

Wozu dient das Urheberrecht?

Das Urheberrecht schützt deine Rechte an einem Werk, das du geschaffen hast. Du bist dann der Urheber. Du bekommst dieses Recht automatisch, sobald du mit deinem Werk fertig bist.

Du als Urheber entscheidest darüber, wie deine Arbeit genutzt wird. Das kann beispielsweise die Aufführung, Verbreitung oder Vervielfältigung des Werkes sein. Du kannst also entscheiden, ob du eine Veröffentlichung z.B. deiner Filme im Internet verbieten, erlauben oder Geld dafür verlangen möchtest.

Was ist ein Urheber?

Ein Urheber ist der Schöpfer eines Werkes. Er ist derjenige, der beispielsweise einen Text geschrieben, ein Bild gemalt oder ein Lied komponiert hat, egal wie alt er ist. Wenn du gemeinsam mit anderen ein Werk erschaffen hast, dann seid ihr alle gemeinsam Urheber.
Natürlich ist nicht jeder Text wie z.B. ein Einkaufszettel geschützt, aber wenn du deinen Einkaufszettel künstlerisch und individuell gestaltest, z.B. als tolles Gedicht, kannst du dafür Urheberrechtsschutz bekommen.

Beispiele für Werke, die urheberrechtlich geschützt sind:
Urheberrechtlich geschützte Werke kann man unter anderem in der Literatur, Kunst und Wissenschaft finden.

  • Musik
  • Filme
  • Fotos
  • Texte
  • Zeichnungen
  • Games
  • Software

Aber keinen Schutz bekommst du für: Sprüche, Titel, Methoden, Anleitungen (z.B. Rezepte) und  Ideen. Auch Gesetzestexte und Gerichtsurteile sind vom Urheberrecht nicht betroffen.

Wer bestimmt, welche Rechte ich als Urheber habe?

Der deutsche Gesetzgeber, also der deutsche Bundestag, bestimmt über die gesetzlichen Bestimmungen zum Urheberrecht. Sie werden übrigens auch häufiger mal geändert, zuletzt 2018.  Neben dem Bundestag erlässt aber auch die Europäische Union Regelungen zum Urheberrecht und es gibt internationale Abkommen mit anderen Staaten.

Hier kannst du einen Blick in das deutsche Urheberrechtsgesetz werfen.

Hast du schon mal den Begriff Public Domain gehört? Viele Inhalte im Netz kannst du völlig frei nutzen, denn nicht jedes kreative Werk ist geschützt. Der Begriff Public Domain kommt aus den USA und heißt übersetzt „öffentlich zugänglicher Bereich“. Das korrekte Fachwort nach deutschem Recht heißt: „Gemeinfreiheit“.  Alte Werke, zum Beispiel von Goethe oder Bach, sind „gemeinfrei“ und können damit von jedem auf beliebige Weise genutzt werden, da die Schutzfrist nach dem Urheberrechtsgesetz abgelaufen ist. Sie endet 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers.

Auch aktuelle Werke kann man oft frei und ohne Kosten nutzen, und zwar immer dann, wenn der Urheber dafür eine freie oder alternative Lizenz vorgesehen hat. Das beste Beispiel ist die Wikipedia. Jeder darf die Inhalte dort frei nutzen, bearbeiten und weiter verwenden. Das wird durch die Lizenz ermöglicht, unter denen Wikipedia-Artikel veröffentlicht werden. Dadurch wird jedem Nutzer die freie Bearbeitung erlaubt, ohne dass er die Urheber um Erlaubnis bitten muss.

Freie Lizenzen

Wo kann ich freie Inhalte finden?
Es gibt unterschiedliche Wege, freie Inhalte im Netz zu finden:

  • Auch bei Google kannst du freie Inhalte finden, wenn du die erweiterte Suche nutzt. Dort es ist dann möglich, deine Suche nach unterschiedlichen Lizenzen (Nutzungsrechten) zu filtern.
  • Creative Commons bietet eine Metasuchmaschine, die verschiedene Quellen durchsucht, die freie Inhalte anbieten.
  • Für eine Suche nach freien Bilder können wir Pixabay empfehlen.

Creative Commons


Weit verbreitet für die Lizenzierung freier Inhalte sind die Creative Commons, die z.B. für die Wikipedia und auf vielen Fotoportalen wie zum Beispiel Flickr, oder auch für freie Musik verwendet werden. Texte und Fotos aus der Wikipedia darfst du also immer frei nutzen, das heiß, beliebig kopieren und auf eigenen Internetseiten einbinden.

Wenn du selbst deine Bilder, Filme und Texte unter freier Lizenz veröffentlichen möchtest, dann überlege dir zunächst, welche Bedingungen für dein Werk gelten sollen. Die Creative Commons funktionieren nach einem Baukastenprinzip: Jeder kann sich seine passende Lizenz zusammenbasteln. Du kannst zum Beispiel auswählen, dass du keine kommerzielle Nutzung deines Werkes möchtest. Und du brauchst keine Angst haben, dass jemand dein Foto als sein eigenes ausgeben darf. Denn: Der Rechteinhaber oder Urheber muss immer genannt werden.

Hier geht’s zur deutschen Seite der Creative Commons.

Open Source

Schnell mal einen Film oder einen Song aus dem Netz holen? Oft werden dafür Tauschbörsen benutzt. Das sind Netzwerke, die auf dem peer-to-peer Prinzip funktionieren. Wenn ein Nutzer der Seite etwas herunterlädt, muss er gleichzeitig seine Dateien den anderen Nutzern zur Verfügung stellen. Er lädt also nicht nur Dateien runter, sondern lädt auch Inhalte hoch. Die Nutzung solcher Tauschbörsen ist allerdings nicht immer legal.

Eigentlich ist die Nutzung von Tauschbörsen nicht verboten. Das Problem ist nur, dass dort meistens geschütztes Material angeboten wird. Der Urheber (also der Mensch, der es erschaffen hat) hat aber nicht erlaubt, dass z. B. seine Musik dort zum Download angeboten wird. Lädst du die Musik nun herunter, wird eine Kopie hergestellt. Gleichzeitig wird diese aber auch wieder hochgeladen. Damit trägst du zur öffentlichen Verbreitung bei. Das ist verboten und führt oft zu hohen Schadensersatzforderungen.

Deine Eltern haften, wenn du etwas illegal herunterlädst.

2015 hat der Bundesgerichtshof (BGH) ein wichtiges Urteil zum Thema Filesharing und illegale Musikdownloads gefällt. In drei Fällen wurden Inhaber eines Internetanschlusses zu hohen Schadensersatzzahlungen verurteilt. Mit diesem Urteil bestätigt das höchste deutsche Zivilgericht, dass Eltern für ihre Kinder haften, wenn diese im Netz illegal Musik tauschen. Als Begründung führen die Richter an, dass die Eltern nicht nachweisen konnten, dass sie zuvor ihre Kinder hinreichend über mögliche Rechtsverstöße im Netz aufgeklärt hatten. Es ist nämlich so, dass Eltern nicht haften, wenn sie ihre Kinder darüber aufklären, dass urheberrechtlich geschützte Werke über Filesharing-Programme gesetzeswidrig sind und hierfür feste Verbote aufgestellt haben.

Interessierst du dich für Musik? Dann hast du bestimmt schon von der GEMA gehört. Aber was verbirgt sich hinter dieser Abkürzung?

Die GEMA heißt „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“, und sie ist eine von 13 sogenannten „Verwertungsgesellschaften“. Eine Verwertungsgesellschaft ist eine Organisation, z.B. ein Verein, der für seine Mitglieder Gebühren für die sogenannte „Zweitverwertung“ von künstlerischen Werken einsammelt.

Wenn eine Bibliothek an ihre Nutzer eine CD verleiht, in einem Club Live-Musik gespielt wird, oder die Songs einer Band auf YouTube gehört werden, dann nennt man das „Zweitverwertung“ des Werks. Der Urheber – also der Autor oder Komponist – wurde zwar meistens vorher schon vom Verlag oder der Plattenfirma bezahlt, kann aber nun noch einmal Geld über die Verwertungsgesellschaften für die Zweitverwertung erhalten.

Wer zahlt an die GEMA?

Muss ich auch an die GEMA zahlen?

Wer kann Mitglied der GEMA werden?

Andere Verwertungsgesellschaften

VG Wort

GVL

VG Bild-Kunst

Abmahnungen sind so ähnlich wie gelbe Karten beim Sport, und beide sollte man besser ernst nehmen! Wenn du sie ignorierst, droht noch mehr Ärger. In jedem Fall solltest du mit deinen Eltern oder einem Erwachsenen sprechen, dem du vertraust.

Eine Abmahnung ist wie eine Verwarnung zu verstehen. Wenn jemand etwas an deinem Verhalten nicht gut findet, bekommst du eine Abmahnung. Wenn du zum Beispiel ein urheberrechtlich geschütztes Foto veröffentlichst, kann der Urheber des Bildes dich abmahnen. Damit zeigt er dir, dass dein Verhalten falsch ist und weist dich daraufhin, das Bild nicht mehr zu benutzen. Wenn du oder deine Eltern eine Abmahnung erhaltet, sollten ihr euch fragen:

  • Ist die Abmahnung gerechtfertigt?

Manchmal schicken Betrüger gefälschte Abmahnungen und hoffen darauf, dass Leute nicht nachfragen und diese Abmahnungen zahlen.

  • Ist die Höhe der Abmahnkosten gerechtfertigt?

Wenn es um hohe Summen geht, können sich deine Eltern auch externen Rat holen, z.B. bei der Verbraucherzentrale oder versuchen eine Reduzierung zu erzielen.

Tipps bei Abmahnungen

Kontakt aufnehmen:

Versuche mit demjenigen Kontakt aufzunehmen, der die Abmahnung verschickt hat. Häufig lässt sich verhandeln, unter welchen Bedingungen die Abmahnung zurückgenommen oder die Abmahngebühren erlassen bzw. reduziert werden.

Sich auf Minderjährigkeit berufen:

Ob Eltern für ihre minderjährige Kinder haften, hängt davon ab, ob die Eltern ihre Kinder hinreichend darüber aufgeklärt haben, dass man keine Musik, Filme oder Games im Internet illegal tauschen oder downloaden darf. Wenn ihr überzeugend darlegen könnt, dass dir deine Eltern rechtzeitig und umfassend die Gefahren im Netz aufgezeigt haben, zum Beispiel mit Hilfe des Internetratgebers Netzdurchblick, dann müssen sie nicht haften.